Dienstag, 28. Mai 2013

Getäuscht - Kurzgeschichte

Getäuscht!
Es klingelte zum Unterricht und ich legte noch einen Zahn zu. Oh Gott war das peinlich gleich am ersten Schultag in der neuen Schule zu spät zu kommen. Beinahe wäre ich in eine streng aussehende Lehrerin mit einem Dutt und leuchtend grünen Augen hinein gerannt. „Langsam.“ mahnte sie. Ich wollte gerade blindlings weiterrasen da blieb ich doch stehen. „Entschuldigung. Ich bin neu hier und weiß nicht wo ich hin muss. Können sie mir helfen?“ fragte ich mit meiner süßen zwitschernden Stimme. Die Lehrerin sah mich genau an. „Wie heißt du denn?“ fragte sie. „Mein Name ist Amilia Gleiß.“ antwortete ich gehorsam. Die Lehrerin lächelte. „Das trifft sich gut. Dann komm mal mit ich bin deine neue Klassenlehrerin Frau Seiz.“ begrüßte sie mich und winkte mich näher zu sich heran. Ich seufzte erleichtert und folgte ihr den Flur entlang.
Schon draußen auf dem Flur vor dem Klassenraum war ein Ohrenbetäubender Lärm zu hören und Frau Seiz kniff wütend die Augen zusammen. Ihr grünen Augen funkelten Gefährlich. „Nicht einmal Fünf Minuten kann man zu spät kommen.“ ärgerte sie sich. Sofort war die Panik der letzten Wochen wieder da. Jede Nacht vor dem einschlafen hatte ich mir diesen Augenblick vorgestellt. In meiner alten Klasse war ich immer die Aussenseiterin gewesen. Was wenn ich das jetzt wieder werden würde? Frau Seiz öffnete mir die Tür und ich bedankte mich höflich und ging in meine neue Klasse. Etwa Dreißig Augenpaare waren auf mich gerichtet. Ich blieb stehen und starrte ängstlich in die Runde. Frau Seiz schob mich weiter in die Klasse und stellte sich dann hinter ihr Lehrer pult  Mich ließ sie allein vor den gaffenden Blicken meiner Klassenkameraden zurück. Ein Murmeln ging durch die Runde und einige von ihnen kicherten sogar. „Seht nur eine Elfe!“ rief ein junge aus eine der hinteren Reihen und fing lauthals an zu lachen. Ich schwieg und wartete ohne auf die Rufe der anderen zu achten. „Ruhe jetzt!,“ griff Frau Seiz schließlich ein.“,Das hier Amilia eure neue Mitschülerin. Amilia erzähl doch etwas über dich.“ Ich wartete noch einen Moment dann holte ich tief Luft und stellte mich vor. „Ich bin Amilia und ich bin letzte Woche mit meiner Familie nach Bremen gezogen. Ich bin 11 Jahre alt und vom Sternzeichen her ein Zwilling.“ mehr fiel mir nicht ein. Als das lang anhaltende Schweigen langsam unangenehm wurde griff meine neue Lehrerin erneut ein. „Setzt dich doch in die dritte Reihe neben Milian.“ sagte sie und deutete auf den einzig leeren Platz neben dem Jungen der mich vorhin Elfe genannt hatte. Na toll! Trotzdem ging ich ohne Widerspruch zu dem leeren Platz und ließ mich auf den Stuhl fallen. Ich pustete mir eine Strähne aus dem Gesicht die sich aus meinem Zopf gelöst hatte. „Ich bin Milian.“ stellte mein Nachbar sich vor. „Hab ich mitbekommen.“ antwortete ich verunsichert. Vorne begann der Unterricht und ich versuchte mich darauf zu konzentrieren. Nach einer Weile fing ich an mich zu langweilen denn die Lehrerin redete nur belangloses Zeug von dem neuen Halbjahr. Ich blickte in die Fensterscheibe die mein Spiegelbild wiedergab. Irgendwie hatte dieser Milian ja recht. Ich sah wirklich aus wie eine Elfe.Ich hatte eine zierliche Statur und war nicht besonders groß für mein Alter. Meine Dunkelblonden Haare waren ordentlich zu einem glatten langen Zopf gebunden und fielen mir über den Rücken. Meine Haut war Zart und hatte eine helle beinahe weiße Farbe. Dazu kamen eine kleine Stupsnase und ein roter schmaler Mund. Durchdringend sahen meine hellblauen Augen mich prüfend an und ich musste lächeln. Es war ein Unschuldiges lächeln. Es hatte etwas schüchternes an sich und ließ mich niedlich aussehen. „Was machst du da?“ fragte Milian mich verwirrt. Ich wandte den Blick von meinem Spiegelbild ab und sah nun meinen Klassenkameraden an. „Nichts. Ich habe bloß nachgedacht.“ wich ich aus.
Als es zur Pause klingelte war Frau Seiz noch immer nicht zum Unterrichten gekommen. Dennoch packte sie Seelenruhig ihre Tasche und marschierte nun aus dem Klassenraum. Vor der Tür blieb sie stehen. „Alle nach draußen. Los geht’s!“ rief sie und fröhlich eilten alle nach draußen. Ich folgte ihnen und blieb unschlüssig auf den Schulhof stehen. Ich fühlte mich unwohl und wünschte mir meine Familie wäre schon letztes Halbjahr hierher gezogen. Dann wäre ich jetzt nicht in dieser Lage. Währe ich vor einem Halben Jahr in die Klasse gekommen wäre es allen genauso gegangen wie mir. Ich hasste Veränderungen. Ebenso habe ich auch den Umschwung von der Vierten in die Fünfte Klasse gehasst. Jetzt jedoch kannten sich schon alle und ich war die einsame neue. „Hey Elfe. Komm doch hierher.“ rief eine Stimme die ich Mittlerweile schon meinem Bank Nachbarn zu ordnen konnte. Sonst nannte mich ja auch niemand Elfe. Zumindest noch nicht. Ich ging zu ihm. Sechs weitere Kinder aus meiner Klasse standen auch bei ihm. Oder er bei ihnen? Jedenfalls musterten sie mich alle wieder genau wie vorhin in der Klasse. „Willst du mit Fußball spielen?“ fragte mich Milian. Ich lächelte. „Klar.“ sagte ich. Milian und ein weiterer Junge namens Thomas durften Wählen. „Ich will die Elfe im Team.“ rief Milian gleich. Überrascht als erste aufgerufen worden zu sein stellte ich mich zu ihm. Das Wählen ging zügig nur bei den letzten beiden stritten sie sich kurz. „Kevin!“ rief Thomas und Milian motze. „Kannst du nicht Silvia nehmen?“ „Nein, ich bin dran und ich wähle Kevin.“ Thomas blieb Stur. So kam Silvia in unser Team und mit ihr waren Hendrik,Frank und Doris meine Mitspieler. Im Gegnerischen Team spielten Thomas,Kevin,Robin,Sara und Klaus.
Nach der Pause liefen wir zu Zehnt verschwitzt zurück zur Klasse und ich war wirklich zufrieden.

Nach nur einer Woche hatte ich mich eingewöhnt und war ein Teil der Klasse geworden. Dadurch das ich zu Milians Truppe gehörte genoss ich sogar einen gewissen Stand. Am liebsten waren mir meine – wie ich sie neuerdings nannte – besten Freundinnen Robin und Silvia. Ebenso Milian selbst mochte ich auch. Wenn ich gar nicht mochte waren Tristan und Klea. Woran ich mich erst noch gewöhnen musste waren das alle in der Klasse Spitznamen trugen. Milian nannten sie alle den „Held“. Silvia war die „Prinzessin“ und Robin die „Schwalbe“ (Wie sie darauf kamen konnte mir niemand beantworten). Ich behielt meinen Namen den ich ab den ersten Tag bekommen hatte. Ich – die Elfe – war bekannt als beste weibliche Fußballspielerin der Klasse, als Streberin und als Unschuldsengel. Letzteres ärgerte mich ziemlich daher beschloss ich das zu ändern.

Frau Seiz stand an der Tafel und schrieb geduldig eine Mathe Formel an die Tafel. „Wer kann die Lösen?“ fragte sie und sofort meldete ich mich eifrig. „Amilia!“ nahm sie mich erfreut dran da sich niemand anderes meldete. Ich ging nach vorne und nahm ihr die Kreide aus der Hand. Dann fing ich an die Formel zu lösen. Ich erntete ein Lob und lief zurück zu meinem Platz.
In der Pause dann hatte ich alles schon vorbereitet. Die Sonne schien vom Himmel und allen war heiß. Ich schlich zum Lehrerparkplatz sehr darauf bedacht nicht gesehen zu werden. Rasch sprang ich hinter ein Auto als ich Tristan in der nähe entdeckte. Glücklicherweise bemerkte er mich nicht. Dann schlich ich weiter und holte einen Schwamm und Fünf Tuben mit Zahnpasta heraus. Ich öffnete die erste Tube und leerte sie auf dem Schwamm dann fing ich an damit ein blaues Auto zu „putzen“. Wem es gehörte wusste ich nicht. Das machte ich solange bis alle Fünf Tuben leer waren. Schließlich warf ich die leeren Tuben und den Schwamm in den Müll und schlich zu den anderen zurück. Jedoch nicht ohne mir vorher die Hände zu waschen. „Wo warst du?“ fragte Robin mich. Ich lächelte geheimnisvoll. „Ach ich musste was erledigen.“
Am ende der vierten Stunde knackte wie von mir erwartet Der Lautsprecher und unser Direktor begann zu sprechen. „Der Schüler oder die Schülerin die den blauen BMW mit ZAHNPASTA beschmiert hat meldet sich unverzüglich im Sekretariat “ polterte der Schulleiter Herr Triesmann. Stille. „Hat jemand eine Ahnung wer das war?“ fragte Frau Seiz sogleich. Niemand antwortete. Keiner wusste es. Bis auf mir natürlich. Ich unterdrückte ein lächeln und setzte meine Unschuldsmiene auf.
In der nächsten Pause ertönte die nächste durchsage. Sie war noch aufgebrachter als die erste und wenn jetzt rauskommen würde das ich das war konnte ich einpacken. Es war also Zeit zu handeln. Ich tippte also Milian auf die Schulter. „Held? Kommst du kurz mit?“ fragte ich und sah ihn eingeschüchtert an. Verwirrt sah er mich an aber er folgte mir zum Lehrerzimmer. Zufälligerweise kam Frau Seiz gerade heraus. „Huch? Was wollt ihr denn hier?“ fragte sie bedachte mich mit einem lächeln und Milian mit einem misstrauischen Blick. Verlegen sah ich auf den Boden und schob meine Fußspitze hin und her. „Ich wollte zu ihnen.“ sagte ich und malte mir gedanklich einen Heiligenschein auf den Kopf. „Ja? Was gibt es Amilia?“ fragte sie freundlich. „Wegen dem Auto auf den Lehrerparkplatz...“ fing ich an. „Ja?“ fragte sie erneut und warf Milian einen weitern Blick zu. „Ich glaube ich weiß wer das getan hat.“ machte ich weiter. „Wer war es denn?“ fragte sie weiter. „Naja. Ich bin in der Pause zu meinem Fahrrad gegangen weil ich etwas vergessen habe und holen wollte da...hab ich...“ stotterte ich unglücklich. „Was hast du?“ hakte Frau Seiz nach. „Da hab ich Tristan bei dem Auto gesehen. Ich wollte aber nicht petzten. Aber jetzt habe ich ein ganz schlechtes Gewissen bekommen und Herr Triesmann klang so aufgebracht da musste ich es einfach sagen. Ich hab mich aber nicht allein getraut.“ fügte ich mit einem Blick auf Milian hinzu. Frau Seiz riss die Augen auf. „Das war vollkommen richtig von dir Amilia. Ich übernehme das jetzt. Danke für deine Hilfe.“ sagte sie und marschierte davon. „Den kauf ich mir jetzt. Das Auto vom Schulleiter zu beschmutzten.“ murmelte sie vor sich hin. Ups, kein wunder das Herr Triesmann so aufgebracht war. Milian starrte mich mit offenen Mund an. „Man, das Tristan sich so was traut.,“ sagte er und ich hörte erfurcht in seiner Stimme. „,Der bekommt jetzt Probleme.“ Ich lächelte hinterhältig. „Bloß das es nicht Tristan war.“ sagte ich. Verwirrt sah er mich an. „Was redest du da Elfe?“ fragte er. Dann verstand er. „Wow, Elfe nicht schlecht. Du bist ja richtig fies.“ er grinste breit und packte mich am Arm. „Komm. Das müssen wir den anderen erzählen. Aber vorher müssen sie schwören es niemanden zu sagen. Du bist unser Ass im Ärmel. Dich würde nie jemand verdächtigen. Du bist doch die kleine Streberin.“ Er war ganz aufgeregt. Ich lächelte vor mich hin. Was tut man nicht alles um dazu zu gehören?

Ellen

Kommentare:

  1. sehr interesante Geschichte,auch sehr überraschent.
    Gut geschrieben mit einen guten Hintergrund.
    Ich persöhnlich mag die richtigen Namen der Kinder nicht so gerne, weil sie nicht so gut rein passen (finde ich).
    Liebe Grüße Janina

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    1. okay hab einfach frei Nase die aufgeschrieben die mir gerade in den Sinn kamen.
      Dankeschön! :)

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