Montag, 21. Oktober 2013

Kurzgeschichte ~ Das Schiff

Das Schiff

Schwerelos und leicht. So fühle ich mich, als ich am Ufer des Wassers entlang laufe. Ich sehe hinauf auf das Meer. Es ist ruhig. Sanft plätschert das Wasser gegen den Bootssteg. Ich blicke hinaus auf das Meer. So weit ich kann. Doch obwohl es mir unendlich scheint, kann ich am anderen Ende noch das Land sehen. Boote liegen sanft auf dem Wasser. Schwanken sacht hin und her. Es ist beruhigend. Bis auf das plätschern des Wassers ist es still. Kein Geräusch ist zu vernehmen. Noch nicht einmal die Vögel singen. Ich sehe ein großes schwarzes, hölzernes Schiff an mir vorbei fährt. Es ist hübsch und sieht wirklich gemütlich aus. Doch ein Gefühl beschleicht mich. So unauffällig, das ich es erst nicht wahrnehme. Irgendetwas fühlt sich falsch an. Plötzlich ist die Stille nicht mehr beruhigend. Sie macht mir Angst. Panisch sehe ich mich um, doch hier ist niemand. Ich kann niemanden sehen. Warum also habe ich solche Angst? Als mein Blick wieder auf das auf dem Wasser fahrende Holzschiff fällt wird mir ganz kalt. Jetzt weiß ich was so falsch ist. Das Schiff. Das schöne Schiff das auf dem Wasser fährt ist leer. Kein Mensch steuert es. Ich kann keine einzige Gestalt darauf erkennen. Es ist völlig verlassen. Ich strenge mich an. Beuge mich leicht nach vorn. Das kann doch nicht Wahr sein. Wieso fährt dieses Schiff völlig herrenlos über das Wasser? Noch immer ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Das ist vollkommen verrückt. Was ist hier los? Der Wind wird stärker. Wirbelt mir meine Haare ins Gesicht. Erst jetzt bemerke ich das ich noch immer nahe dem Wasser stehe. Doch bevor ich einen Schritt zurücktreten kann, falle ich. Ich falle hinab, ins Wasser. Ins kalte nass.

Das Wasser ist eiskalt. Ich fühle mich Augenblicklich betäubt. Meine Gliedmaßen fühlen sich schwer an und meine Kleidung saugt gierig das Wasser in sich auf. Ich zwinge mich zur ruhe. Panik hilft keinem weiter. Doch als ich zurück zum Ufer schwimmen will raubt es mir den Atem. Das Ufer ist verschwunden. Die Boote sind ebenfalls weg. Weit und breit kein Land. Das ist unmöglich. Selbst vom Ufer aus konnte ich die ganze Zeit das andere Ufer erkennen. Doch selbst das ist verschwunden. Angst schnürt mir die Kehle zu. Dann fällt mein Blick auf ein Boot. Das Herrenlose Boot. Nicht weit von mir fährt es seine Bahnen. Meine Kleidung ist völlig durchnässt und zieht mich schwer nach unten. Es fühlt sich an als wäre ich in einen Kokon gewickelt. Dennoch strecke ich die gefrorenen Arme aus und schwimme Richtung Boot. Doch gerade als ich es erreichen will, schwemmt mich eine große Welle von ihm Weg. Ich schlucke Wasser und ringe nach Luft. Das Meer ist nicht länger ruhig und still. Große Wellen schlagen um sich und Strudel toben im Wasser. Hastig starrte ich einen erneuten versuch. Ich huste. Das geschluckte Wasser brennt in meiner Kehle und ich habe das Gefühl mein Hals würde verbrennen. Doch jeder Versuch ist erfolglos. Jedesmal wenn ich dem Boot näher komme reist mich eine neue Welle von ihm fort. Ich verzweifle. Ich schreie. Die Rettung keine Fünf Meter von mir entfernt und doch komme ich nicht an dieses Boot heran. Meine Arme schmerzen und meine Finger sind taub vor kälte. Ich weiß das ich nicht lange durchhalten werde. Die Müdigkeit sitzt mir in den Knochen, genau wie die eisige Kälte und die Verzweiflung. Eine neue Welle trifft mich und gischt spritzt mir ins Gesicht. Erneut schlucke ich Wasser. Ich schluchzte laut auf. Neues Wasser findet seinen Weg in meinen Mund. Dann reist mich das Wasser hinab in die tiefe. Ich reiße die Augen weit auf und starre nach oben. Trete und schlage verzweifelt um mich. Doch noch während ich das tue weiß ich das ich nicht mehr nach oben kommen werde. Ich weiß das ich sterben werde. Jämmerlich ertrinken. Dennoch versuche ich es ein letztes mal. Das letzte mal aufbäumen, die letzte Kraft sammeln. Ich schaffe es nicht. Benommen treibe ich im Wasser. Ich habe Angst. Ich habe es mir immer friedlich vorgestellt zu ertrinken. Vor sich hin zu treiben. Doch das ist es nicht. Es schmerzt. Alles tut mir weh. Mein Hals brennt, meine Glieder schmerzen und meine Hände und Füße sind eisig kalt. Ich schließe die Augen...
und wache auf. Ruckartig setzte ich mich im Bett auf und sehe um mich. Ich ringe nach Luft, als wäre ich tatsächlich beinahe ertrunken. Ich bleibe ruhig sitzen und lasse es auf mich wirken. Nur ein Alptraum, sage ich mir. Als sich meine Atmung wieder beruhigt hat lege ich mich wieder hin. Der Traum verschwimmt. Doch die Bilder verfolgen mich.

Tags darauf gehe ich am Ufer entlang. Ich bin nervös.Dabei war es schließlich alles nur ein Traum. Mein Blick schweift über das Wasser. Es ist ruhig. Die Boote liegen friedlich auf dem Wasser. Ich blicke zum Ufer auf der anderen Seite hinüber. Alles ist normal. Ich lasse meinen Blick schweifen. Dann sehe ich es. Ein Schiff. Es fährt über das Wasser. Völlig ruhig. Völlig leer.

Kommis wären super!

Ellen