Donnerstag, 12. Dezember 2013

Gedankenpost ~ Wie eine Schaufensterpuppe!

Wie eine Schaufensterpuppe

Heute sagte einer meiner Lehrer zu mir ich säße einfach nur wie eine Schaufensterpuppe im Klassenzimmer (weil ich mich zu wenig mündlich beteilige). Ohne zu wissen weshalb, wurde ich Wütend. Was war das denn für ein vergleich? Zumal das – meiner Meinung – nach gar nicht berechtigt gewesen war. Doch ich nahm es hin. Was hatte ich für eine andere Wahl?

Dennoch überlegte ich auch zuhause wieso mich das bloß so Wütend machte. Es war doch nur ein harmloser Satz der nicht einmal böse gemeint war. Es dauerte eine Weile bis ich endlich begriff weshalb ich wütend war. Ich war nicht wütend auf meinen Lehrer. Ich war wütend auf mich selbst. Mittlerweile finde ich diesen Vergleich geradezu Brillant. Es passt Perfekt. 
Aus der Sicht eines fremden (bwz. Meiner Klassenkameraden) musste es doch tatsächlich so aussehen.

Jeden Tag komme ich in die Klasse. Ich rede kein Wort mit ihnen. Kann es nicht. Rede nur mit meinen Freunden und den Lehrer. Jeden Tag am selben Ort. Stumm und niemals als etwas besonders herausragendes. Blass, wie man es auch nennen könnte. Denn für meinen Geschmack sind diese Schaufensterpuppen immer viel zu blass. Sie sehen aus wie Leichen. Beinahe gruselig. Doch so war ich auch. Blass. Nur nicht im Sinne von meinem Hautton, sondern ich selbst war einfach blass. Unsichtbar. Im Schatten der anderen. So wird nächstes Jahr der Schulabschluss stattfinden, so werde ich sofort aus ihrem Leben verblassen. Wie eine Schaufensterpuppe an der man eben jeden Tag vorbei geht und im Laden stehen sieht. Irgendwann ist diese dann plötzlich weg. Das mag zwar im ersten Moment ein wenig ungewohnt sein, doch schon bald ist es als wäre sie niemals da gewesen. Vergessen. Verblasst. Ohne jemals herausragend gewesen zu sein. Ohne jemals Aufmerksamkeit auf sich gezogen zu haben. Doch man selbst findet diesen Verlust der Puppe nicht schlimm. Sie war nichts besonderes. Stumm hat sie einen jeden Tag angestiert  Man ist an ihr vorbei gelaufen, als wäre sie gar nicht da. Sie konnte ja nicht reden.

Ich werde vergessen werden. Jeder von ihnen der nicht mit mir befreundet war wird mich vergessen. Womit bin ich denn jemals aufgefallen. Ich war die gute in Deutsch die die so gut schreiben konnte. Ich war die Stille, die nur etwas sagte wenn es nötig war. Ich war die die aus dem typischen Schema heraus fiel. Die die sich nicht schminkte wie die anderen Mädchen. Die die immer nur mit ihren Freundinnen herum hing. Die die sich oft versprach. Die die so viel gelesen hat. Diejenige die vor Referaten beinahe durchgedreht wäre. Diejenige die ständig und immer rot wurde.
-Da sehe man, ich bin die einzige Schaufensterpuppe die erröten kann. -
Diejenige die niemand lesen konnte. Diejenige die es hasste im Mittelpunkt zu stehen.
Die. Die. Die.
Doch vielleicht hat gerade das mich ausgemacht. Einfach komplett anders zu sein. Vielleicht reicht es ja einfach so gewesen zu sein wie ich nun einmal bin. Unerkannt und unlesbar.

Und so manch einer, verblasst sicher auch in meiner Erinnerung. Vielleicht sind wir das ja alle. Verblasste Erinnerungen an eine frühere Zeit. 

Ellen